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Die Heldenköchin

Es klingelt an meiner Wohnungstür. Herein kommen krumme Gurken, herzige Kartoffeln, gelb-rot-bunte Karotten, einige grüne Schöpfe und hinterdrein der dunkle Schopf von Claudia Friedrich. Die 26-jährige Gründerin der heldenküche wird heute für uns und vor allem mit uns kochen. Sieben Personen in meiner Küche gelüstet nach köchelnder Inspiration und nachhaltigem Genuss. Wir freuen uns über eine Heldin an unserer Seite.

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Das Geheimnis voller Veranstaltungsräume

Claudia liebt das Kochen und sie liebt die Menschen. Mit diesen Zutaten und gewürzt mit Idealen arbeitet sie an der Verwirklichung ihrer Berufung. Sie ist eine Do-eat-yourself-Köchin, denn sie kommt ohne Kochausbildung daher. Aber mit umso mehr Enthusiasmus, etwas zu bewegen für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. Bereits während ihres Volkswirtschaftsstudiums gründete sie den Verein oikos Leipzig und lernte bei all den Konferenzen und Workshops unter anderem, dass gute Buffets das Geheimnis voller Veranstaltungsräume sind. Sie, die als Kind eine furchtbar schlechte Esserin war und sich vor Gemüse eher fürchtete, entdeckte bei der neuen Buffet-Verantwortlichkeit ihre Begabung fürs Kochen, ihre Kreativität und ihre Mission. Sie bringt Menschen zusammen. Und will Menschen Gutes tun.

Sie kocht mit ihnen – an „Do eat yourself“-Abenden wie dem unsrigen in privatem Gefilde. Oder auch in öffentlichem Rahmen zu Präsentationen, Veranstaltungen oder in unternehmerischen Mittagspausen. Es kann schon mal Ähnlichkeiten mit einem Catering haben, nur gibt es immer Parts, welche die Gäste selbstständig leisten, bevor sie selbstständig essen dürfen.RoteBeete

So auch bei uns. Wir schälen und schnibbeln, verrühren, pürieren. Und komponieren leuchtend roten Rote-Beete-Dip mit sportlichem Linsi-Hop, frischkräuterigem Salsa Verde und kichrigem Humus zu Ofengemüse, Lachs und Sojaschnetz. Das mag nach wilden Arrangements klingen … das sind sie auch. Doch alles ist erlaubt, was Körper und Geist guttut.

Noch mehr Heldengeheimnisse

Claudia proklamiert die Genussernährung – auf seinen Körper hören, auf seinen Appetit und die wahren Gründe desselben und darauf, Speisen achtsam zuzubereiten und zu verzehren.

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Foto: Claudia Friedrich

Entsprechenden Ernährungsgenuss verspricht die Köchin auch, wenn sie nicht mit den Gästen, sondern umsorgend für sie kocht – wie beim „Leipziger Tischlein“: 15 zufällig ausgewählte Gäste treffen sich, um gemeinsam zu schlemmen und zu genießen. Die Heldenköchin selbst ist Schöpfer dieser Veranstaltungsidee. Sie findet eine Location (die bis zum „Tischlein“-Termin geheim bleibt!), kreiert ein zur Jahreszeit und vielleicht auch zur Location passendes Überraschungsmenü (ebenfalls geheim!), radelt durch Stadt und Land für frische natürliche Zutaten. Nicht geheim! Denn Claudia erzählt gern von den Vorteilen der unbehandelten, regionalen und saisonalen Produkte. Sie kennt die Landwirte und sie liebt das Gemüse, vor allem das krumme. Das zum Beispiel ganz natürlich und eben nicht aussortiert im Anna Linde Gemeinschaftsgarten wächst. Und auch schon direkt auf einem dort gedeckten „Leipziger Tischlein“ landete.

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Foto: Claudia Friedrich

Die eigentlichen Heldentaten

Lächeln auf Gesichter nichtzahlender Gäste zu zaubern ist ein weiterer und genau genommen der maßgebende Zweck des Sozialunternehmens heldenküche. Claudia Friedrich verwirklicht Kocherlebnisse in Kinderheimen, Altersheimen, Asylbewerberheimen. Sie bringt alle Zutaten mit, organisiert den Tag, schenkt gemeinsame Zeit, stiftet Kochspaß und Genuss. Und erweckt so ganz nebenbei Freude an gesunden Lebensmitteln und bewusster Ernährung, am Kochen und an Kochkultur. Sie erzeugt damit rundum gute Bauchgefühle – bei den Kindern und den Alten, bei den Alteingesessenen und den Neuankömmlingen und bei sich selbst.

Wir sind inzwischen bei Apple Crumble angekommen. Drei Generationen schneiden rotbackig die Äpfel und zupfen die Streusel. Dazu gibt es Eis. Wir schwelgen im heiß-kalten Finale des Abends. Dankbar für Informationen, Wertschätzung und Genuss geleiten wir unsere Heldin zur Tür. Wohl wissend, dass das Honorar gut angelegt ist.

Von Susan Künzel

Discussion (1)

There is one response to “Die Heldenköchin”.

  1. Susanne Wallbaum responded:

    · Reply

    Lieber heute als morgen lese ich mehr davon. Gern Wunderbares und Sonderbares. Und übermorgen geb ich’s weiter. Danke für die Anregungen!
    Susanne

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